Reiler Fußfälle – ganz was besonderes
Eigentlich müssen sich die heutige Betrachterin und der Betrachter ins 17. Jahrhundert begeben. Etwa um 1680 herum. Unser Dorf zählte damals etwa 90 Familien mit ca. 210 Kindern. Es war ein karges Leben. Bestimmt wurde der Alltag der Reiler Bevölkerung durch die viele Arbeit und den katholischen Glauben. Einige wohlhabendere Familien stifteten damals Bildsteine und verewigten sich damit für die Nachwelt. Jedes der 7 Bilder erzählte bestimmte Szenen der Leidensgeschichte Jesus Christi. Sie wurden so dargestellt, dass sie als Knie- bzw. Fußfälle bezeichnet werden können. Im Laufe der Geschichte wurden sie erst auf 12, später auf 14 Stationen erweitert. Diese entsprechen dem heutigen Kreuzweg.
Kreuzwege beginnen immer von der Kirche aus. Damals wie heute führen sie über längere Wege durch die Flure, aus dem Ort heraus und bis zur Anhöhe hin. Wege sowie Anstieg unterstreichen dabei den Bußcharakter. Die Höhe weist auf das bibliche Golgotha hin, im übertragenen Sinne auch auf die Erhöhung Christis mit dessen Auferstehung und Himmelfahrt. Die Christen verbinden damit ihre Erlösung und die Erwartung auf den Himmel. Von den ursprünglichen 7 Sandsteinhalbreliefs in Reil waren Ende der 1990er Jahre nur noch 4 vorhanden und von diesen leider nur noch ein Bild zu restaurieren. Es handelte sich dabei um die 1. Station unweit der Kirche. Nach zeichnerischen Vorgaben von Prof. Dr. Erwin Schaaf aus dem Alftal gestaltete die Bildhauerwerkstatt Ulrich Wendhut aus Traben-Trarbach sämtliche Sandsteinhalbreliefs der 7 Fußfälle neu. Die ursprüngliche Wegeführung konnte aufgrund der Flurbereinigung nicht mehr beibehalten werden. So wurde eine neue 2,4 km lange Wegstrecke gefunden.
Mit der Kirche als Ausgangspunkt und der Kapelle auf “Kirschenkreuzchen” als Zielpunkt entstand ein schöner Weg durch das Dorf. Es lohnt sich, ihn einmal zu gehen und sich die Fußfälle genauer anzuschauen. Finanziert wurde das kulturelle Projekt maßgeblich durch den “Theaterverein Moselblümchen 1912 Reil e.V.” Anlass war das 90-jährige Vereinsjubiläum. Die neuen Bildstöcke wurden im Juli 2002 feierlich übergeben. Die “Freunde vom heißen Stein”, zwei Banken und weitere private Förderer beteiligten sich ebenfalls am Projekt der Restaurierung.
(Quelle: Chronik der Gemeinde Reil)