Schon seit der Frühgeschichte war der Ort Reil ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Querverkehr Eifel/Hunsrück. Mit der Reiler Furt war vor allem im Sommer die Möglichkeit geboten, hier die Mosel zu Fuß, zu Pferd oder auch mit einem Gefährt zu überqueren. Der relativ niedrige Reiler Hals war ein bevorzugter Zugang zum Moseltal und durch die Bachtäler östlich von Zell gab es befahrbare Wege in den Hunsrück.
Mit dem Aufkommen der Motorschifffahrt am Ende des 19. Jahrhunderts wurde in der Reiler Furt 1883 eine notwendige Fahrrinne herausgearbeitet. Damit konnte die Furt wie zuvor nicht mehr genutzt werden. Als Ersatz stand eine Fähre zur Verfügung, die zur Weinlese überlastet und für den Gütertransport nur eingeschränkt nutzbar war. Bei Hochwasser musste die Fähre ihren Dienst ganz einstellen, was für die Reiler Winzer verlustreich war, wenn die Weinlese im Herbst noch nicht abgeschlossen war.
Die Idee, eine Brücke zu errichten, war folgerichtig und technisch möglich, hatten dies die Römer vor fast 2000 Jahren in Trier längst bewiesen. Die Mittel standen einem kleinen Moseldorf jedoch nicht annähernd zur Verfügung. So wurden 1924 und 1936 vergeblich versucht, die notwendigen übergeordneten staatlichen Mittel zu erlangen. Auch die Argumentation zur Verbindung der Provinzialstraßen (B 49 und B 53) scheiterte. Außerdem war der Ausbau der Bergstrasse über den Reiler Hals bis ins Alftal noch nicht abgeschlossen. Erst 1950 genehmigte der Gemeinderat ein selbst finanziertes Konzept zum Bau der Brücke. Die Reiler Bürger mussten sich durch eine Umlage unmittelbar, mit eine sogenannte „Weinstockabgabe“, an den Kosten beteiligen. Auch damals ging mit einem Öffentlichen Bau nicht alles „glatt“. Es kam zu nicht vermeidbaren Verzögerungen und Kostensteigerungen, so dass eine Finanzierungslücke von 100.000 DM entstand. Da nicht nur Reil Vorteile an der Brücke erwartete, sondern auch nicht unerheblich die Nachbargemeinden Pünderich und Burg, gab es von Anfang an Gespräche über deren finanzielle Beteiligung. Auch die Hinweise auf die Finanzierungslücke und die sicherlich vielen Flaschen Reiler Wein in den Gesprächsrunden halfen nicht, die Kassen der ansonsten befreundeten Gemeinden zu öffnen.
Nach der feierlichen Eröffnung der Brücke am 16. Dezember 1953 ließ der Gemeinderat Schranken errichten und erhob Maut für die Benutzung. Dies wurde nur einen Tag durchgehalten, da der massive Protest zu unmittelbarem Handeln der Landesregierung führte. Im Gegenzug zum Abbau der Mautstation erhielt die Gemeinde einen Kostenzuschuss von 100.000 DM, so dass die noch offenen Rechnungen abschließend beglichen werden konnten. In den 60er Jahren wurde das Eigentum an der Brücke auf das Land Rheinland- Pfalz übertragen, was ordnungspolitisch richtig und wegen der Instand- haltungskosten ein Segen für die Reiler Gemeindekasse ist. Aus den Diskussionen mit den Burgern und Pünderichern gibt es heute noch den Spruch: D‘ Rejler Brigg is d‘ Burja un d‘ Pinneria ihr Glick.
(Quelle: Chronik der Gemeinde Reil)