(von Eleonore Roth)
Seit 1842 steht sie am Rande des Dorfes, sie dominiert als die einzige Vertikale. Mit berühmten Kathedralen und Kirchen kann sie nicht konkurrieren. Erbaut in einer Zeit des Realismus, die industrielle Revolution war in vollem Gange, die demokratischen Bestrebungen der deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche – gescheitert. Karl Marx schrieb 1840 in der „Rheinischen Zeitung“ über die „elende Lage der Moselwinzer“. Also kaum Geld für einen Kirchenbau. Die preußische Rheinprovinz wurde von protestantischen Beamten verwaltet, die größtenteils eine Abneigung gegen den rheinischen Katholizismus hegten und über fast zwanzig Jahre lang den Neubau der Reiler Kirche verhinderten.
Es war Pastor Leyendecker, der mit den Gemeindemitgliedern einen Baufonds auflegte. Der 30. Teil ihrer Traubenernte und Feldfrüchte sollten eingezahlt werden bis die Kosten des Kirchenbaus gedeckt seien. 1831 wurde die Baugenehmigung der Beamten erteilt, Bauinspektor Müller aus Saarbrücken fertigte einen Bauplan, der jedoch nicht die Zustimmung des Kirchenvorstandes fand und nicht den Bedürfnissen eines katholischen Gottesdienstes gemäß war: der Turm sei zu massig, die Höhe des Gebäudes zu niedrig, der Altarraum zu klein, ebenso die Sakristei. Orgelempore und Mannhaus fehlten. Weitere Widrigkeiten folgten und führten nach etlichen empörenden Eingaben, auch durch Bischof Joseph von Hommer, 1838 zum Auftrag an Baurat Nobiling für den Bau der heutigen Kirche. Der Grundstein wurde am 7. Juli 1839 am Fest „Mariä Heimsuchung“ von Pastor Johann Michael Leyendecker und der großen Festgemeinde eingemauert. Ärger gab es wegen der Stellung des Turms, der laut Vorgaben zur Dorfseite ging, was die Gemeinde ablehnte, weil der Eingang hinter dem Bau sein sollte. So wurde der Plan „gedreht“. Über Jahre hinweg erfolgten Um- und Anbauten – verbunden mit hohen Kosten für die Pfarr- und Zivilgemeinde. Ein bauliches „Juwel“ ist sie nicht, aber mit Fleiß, Geld und Mühe der Reilerinnen und Reiler zu ihrer Kirche geworden.
Für Orgel, Fenster und Glocken fanden sich Stifter wie der Domvikar zu Mainz, Stephan Beilen, der aus Reil stammte. Am Orgelprospekt ganz oben ist ein Beil zu sehen als Zeichen des Stifters.Die Glocken mussten 1915 und 1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden. Die Kirche überstand die Kriege unbeschädigt. 1946 hat Kurt Imhäuser, Metallfabrikant aus Olpe, dessen Frau aus Reil stammte, die Bronze gegen 1.500 Flaschen Wein gestellt. Die Inschrift der größten Christusglocke lautet: „Rex Christe, veni cum pace (König Christus komm mit deinem Frieden“)Eine Mahnung an uns alle, aktuell über die Zeiten.
Quelle: Dr. Joachim Schiffbauer, 120 Jahre Pfarrkirche Reil, Trier 1962, eigene Recherche
Johanniskapelle am Pfahlbach
Es gibt keine gesicherten Dokumente oder Bauten, die genau belegen, wo im Dorf die erste Besiedelung war. Ausgehen kann man aber davon, dass die ersten ständigen Wohnsitze im Bereich des unteren Pfahlbachs errichtet wurden. Denn die Lage war günstig. Der Pfahlbach bot das ganze Jahr über frisches Wasser, zur Mosel war es nicht weit und es gab bei Hochwasser genügend Ausweichfläche. Man musste nur den Hang hinauf zur nächsten Terrasse gehen. Außerdem befand sich im Bereich der heutigen Gardin und weiter südwärts fruchtbarer Boden zur Feld- und Viehwirtschaft. Im Bereich des Pfahlbachs muss sich bereits 1136 ein Hof (Kapellenhof, bei der Kirche gelegen) befunden haben, der zum Kloster Springiersbach gehörte. Bei dieser Kirche muss es sich um die Johanniskapelle handeln. Heute ist der genaue Standort nicht mehr zu ermitteln. Auf dem Foto sehen Sie die dichte und enge Bebauung des Bereichs des unteren Pfahlbachs. Gässchen und Wege laden zum historischen Bummel ein.
(Quelle: Chronik der Gemeinde Reil)
Kapelle auf Kuhlert (Ortsteil Heißer Stein)
„Auf Kuhlert“ (Flurbezeichnung) ist oben auf dem Berg und der Ortsteil Heißer Stein. Ende der 60er Jahre wurde das Gelände erschlossen und als Baugebiet ausgewiesen. Heute leben dort ca. 150 Menschen, wovon viele nicht aus Reil stammen und seit Jahrzehnten dazugehören. Im Jahr 2003 wurde von 2 Bürgern vorgeschlagen, eine Kapelle zu errichten. Aus der Versammlung der Bürgerinnen und Bürger entstand der „Kapellenverein Kuhlert“. In Eigenleistung und aus Spenden errichtet lädt die offene Kapelle seit 2005 zum Verweilen ein. Der Verein sorgt heute für Ordnung und Sauberkeit in der Kapelle und auf dem umliegenden Gelände.
(Quelle: Chronik der Gemeinde Reil)
Steipenhäuschen oder Dreifaltigkeitskapelle
Wer aus der Eifel kommend die Moselhöhe hinauffährt, erreicht am Scheitelpunkt den Reiler Hals. Nur Eilige versäumen es, anzuhalten und die grandiose Aussicht auf das Tal der Mosel mit Schleife, drei Dörfern und Marienburg zu genießen. Alle Reiler und vor allem die, die irgendwo auf dieser Welt wohnen, wissen, dass sie jetzt zu Hause sind. Hier an dieser exponierten Stelle befindet sich das Steipenhäuschen oder die Dreifaltigkeitskapelle (Baujahr nicht bekannt), ein einfacher Bau, aus den knappen Mitteln der Reiler Bürger errichtet. Der Glaube konnte wohl nicht aus der Architektur oder der Einrichtung gestärkt werden; die einzigartige Lage mit der weiten Aussicht ist aber dafür -auch heute noch- beeindruckend.